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Deutsches Hafenmuseum Standort Grasbrook

Häfen sind die wichtigsten wirtschaftlichen Knotenpunkte zwischen Wasser und Land und ermöglichen den Austausch von Waren und Wissen. In Hamburg, einer Stadt, deren historische und gegenwärtige Entwicklung sehr stark von ihrem Hafen geprägt wurde, entsteht mit dem Deutschen Hafenmuseum ein neues Museum, das sich der vielfältigen Bedeutung der besonderen Schnittstelle Hafen und ihrer Rolle in der Geschichte, im Heute und in der Zukunft widmet. Dank zweier Standorte kann das Museum sehr unterschiedliche Themenfelder und Vermittlungsangebote abdecken. Dabei ergänzen sich das neu zu errichtende Gebäude auf dem Kleinen Grasbrook sowie das bereits als Museum genutzte Gelände rund um die historischen 50er-Schuppen, das zu einem besonderen Erlebnisort weiterentwickelt werden soll.

Gesamtperspektive von Osten (Variante A) – Copyright Herzog de Meuron + Vogt Landschaftsarchitekten
Blick auf den zukünftigen Neubau des Deutschen Hafenmuseum und den zukünftigen Liegeplatz der PEKING – Copyright moka-studio / HafenCity Hamburg GmbH / Herzog & de Meuron / Vogt Landschaftsarchitekten

Im geplanten Neubau, der voraussichtlich in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre fertiggestellt wird, wird am breiten Spektrum der Wirtschafts- und Kulturgeschichte eines Hafens die Bedeutung des internationalen maritimen Handels für die Lebenswelt der Menschen gezeigt. In diesem Kontext bewegt sich das Deutsche Hafenmuseum als ein „Museum der Globalisierung“. Am Beispiel verschiedener Häfen und ihrer historischen Entwicklung werden komplexe Themen der heutigen Zeit vor dem Hintergrund der Bedingungen ihrer Entstehung erklärt. Aus dem in Form von Ausstellungen, Veranstaltungen und weiteren Vermittlungsformaten dargebotenen Wissen soll für die Besucherinnen und Besucher die wichtige Rolle des Hafens bei den Veränderungen, den Möglichkeiten und den Widersprüchen einer sich zunehmend globalisierenden Wirtschaft deutlich werden. Das Deutsche Hafenmuseum möchte zu einer Plattform zur Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Varianten und Epochen des Welthandels sowie der Bedeutung von Häfen in regionalen, europäischen und globalen Netzwerken werden. 

Das Deutsche Hafenmuseum bildet dabei selbst ein gutes Beispiel dafür, welchen stetigen Veränderungen Hafenstädte unterliegen: Mit dem Neubau nämlich entsteht auf dem Grasbrook ein attraktiver kultureller Ort in einem neu entstehenden Stadtteil, der Hamburgs Innenstadt noch enger mit seiner vom Hafen geprägten Peripherie verbinden wird.

Der neue Stadtteil

Der neu entstehende Hamburger Stadtteil Grasbrook liegt am Südufer der Norderelbe, direkt gegenüber der HafenCity. Die Planungen, die nach einem Entwurf des Teams Herzog & de Meuron und von Vogt Landschaftsarchitekten erfolgen, sehen vor, das Deutsche Hafenmuseum zum zentralen kulturellen Ort dieses besonderen und neuen Quartiers zu machen. Das Museum soll über Bereiche verfügen, die rund um die Uhr öffentlich zugänglich sind – ganz nach dem Vorbild eines modernen Hafens, in dem 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 360 Tage im Jahr gearbeitet wird. Die bisherigen Ideen sehen u.a. vor, auf attraktiv gestalteten Freiflächen die maritimen Großobjekte des Museums zu platzieren, die Kaikante zum Bestandteil des Museums zu machen und einen Aussichtsturm mit Blick auf die Hamburger Innenstadt zu errichten. Auf Grundlage der vorliegenden Planungen zum gesamten Stadtteil soll in nächster Zukunft ein Architekturwettbewerb für das Deutsche Hafenmuseum erfolgen.  

Die PEKING als Leitobjekt des Deutschen Hafenmuseums

Die PEKING am Bremer Kai, Foto: Jan Sieg

Der „Hamborger Veermaster“ PEKING, 1911 bei Blohm & Voss für die Hamburger Reederei Laeisz gebaut, ist mit seinem stählernen Rumpf, seinen vier Masten und seiner technischen Eleganz ein typisches Beispiel der Flying P-Liner, wie die Windjammer von den Seeleuten einst hochachtungsvoll genannt wurden. Die PEKING gehört zu den letzten großen Frachtseglern, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund ihrer Geschwindigkeit, Sicherheit und Präzision noch gegen Dampf- und Maschinenschiffe antreten konnten. Das stellte sie vor allem als Transportschiff für den damals in Europa stark nachgefragten Salpeter aus Chile unter Beweis. Salpeter (Natriumnitrat) aus der Atacamawüste wurde damals vorrangig als Stickstoffdünger und bei der Schwarzpulverherstellung eingesetzt. 

Der Erfolg der Flying P-Liner, von denen insgesamt 65 gebaut wurden, gründete neben dem perfekten Zusammenspiel der rund 30-köpfigen Mannschaft auf der verlässlichen Schnelligkeit der „fliegenden“ Segler. Die Effizienzsteigerung bei Dampf- und Maschinenschiffen läutete dann das Ende dieser Erfolgsgeschichte ein. Und die großen Salpeterfahrten wurden durch die Erfindung  des künstlichen Düngers nach dem Ersten Weltkrieg und die Eröffnung des Panamakanals besiegelt. 

„Die Errichtung des Deutschen Hafenmuseums samt der Rückholung und Restaurierung der Viermastbark PEKING ist eines der herausragenden Museumsprojekte in Deutschland, das schon heute internationale Aufmerksamkeit erhält.”

(Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien)

Förderung und Unterstützung

2015 hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages der Freien und Hansestadt Hamburg für die Errichtung eines Deutschen Hafenmuseums sowie für die Rückholung und Sanierung der Viermastbark PEKING einen Betrag von insgesamt 120 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Um der komplexen Aufgabenstellung der Restaurierung des Schiffes und der Umsetzung des Museums an zwei Standorten zu entsprechen, hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags am 14. November 2019 weitere 65,5 Mio. Euro für das Gesamtprojekt bewilligt. 

Die SHMH arbeitet intensiv am inhaltlichen Konzept für das künftige Deutsche Hafenmuseum. Hierzu haben bisher drei international besetzte Fachsymposien und mehrere Workshops stattgefunden, in deren Rahmen die inhaltlichen Leitplanken des Museumsprojektes abgesteckt wurden und aus denen Netzwerke mit Expertinnen und Experten verschiedener Disziplinen hervorgegangen sind. 

Gemeinsam mit den Betreibern der POMMERN, der PASSAT und der KRUZENSHTERN wurde das Netzwerk „Flying P-Liner Heritage Fleet“ gegründet, um deren Erfahrungen in die inhaltliche Präsentation auf der PEKING einfließen zu lassen. Parallel wurde die Viermastbark PEKING unter der Federführung der Stiftung Hamburg Maritim in der Peters Werft in Wewelsfleth restauriert. 

Die Errichtung des Deutschen Hafenmuseums sowie die Restaurierung und Überführung der Viermastbark PEKING werden durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages in vollem Umfang mit insgesamt 185,5 Mio. Euro gefördert.

Die vorbereitenden Maßnahmen zur Ankunft der PEKING in Hamburg sowie die Inbetriebnahme des Schiffes werden gefördert von der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg.


DEUTSCHES HAFENMUSEUM

Chronologie des Projekts

Herbst 2021

Anlässlich des ersten Jahrestages der Ankunft der Viermastbark PEKING in Hamburg können in Form von exklusiven Baustellenführungen die ersten Besuche an Bord des historischen Frachtseglers angeboten werden. Ehrenamtliche Guides aus dem Verein der Freunde der Viermastbark PEKING erläutern im Rahmen von Rundgängen die spannende Geschichte des einstmals schnellsten Frachtseglers und präsentieren die Ergebnisse der Restaurierungsarbeiten.

Die ersten Besucherinnen und Besucher werden über die Viermastbark geführt. Foto: Wera Wecker, SHMH.

Sommer 2020

Parallel werden die Planungen zur technischen Ertüchtigung des Schuppens 50A vorangetrieben. Der historische Schuppen 50A, in dem sich heute bereits das Hafenmuseum Hamburg befindet, soll als letzte noch erhaltene Umschlagsanlage aus der Kaiserzeit zusammen
mit der bestehenden Museumsflotte im genehmigten Bestand und als authentischer Hafenort sowie wichtiger Baustein des künftigen Museums weiterentwickelt werden. Unter anderem ist die Erschließung der gesamten Schuppenhälfte 50A für das Schaudepot und die Optimierung der Betriebsbedingungen vorgesehen, die Schaffung neuer Räumlichkeiten für den Vermittlungsbereich sowie die Verbesserung der Barrierefreiheit im Außengelände insbesondere durch den Einbau eines Flutschutztors in der Flutschutzmauer und die Entwicklung einer neuen Ausstellung. Ziel ist es, den Schuppen 50A mit seinen historischen Schuten sowie dem Schutendampfsauger SAUGER IV von 1909 und dem Schwimm-Dampfkran SAATSEE von 1917 künftig ganzjährig zu betreiben.

Das Schaudepot des Hafenmuseums, Foto: SHMH/Sinje Hasheider

Mai 2020

Im Mai 2020 schließt die Stiftung Hamburg Maritim nach dreijähriger Arbeit die Restaurierung der PEKING auf der Peters Werft erfolgreich ab. In den letzten drei Jahren sind in Wewelsfleth Rumpf und Rigg des historischen Frachtseglers fachgerecht restauriert worden. Die SHMH übernimmt das Schiff wie geplant in ihr Stiftungsvermögen. In der Verantwortung der SHMH werden an Bord der PEKING anschließend noch weitere Ausrüstungsmanahmen für ihren künftigen Einsatz als Museumschiff stattfinden.

Übergabe der PEKING an die SHMH, 15. Mai 2020. Foto: Heiner Mueller-Elsner

2020

Der städtebauliche und freiraumplanerische Ideenprozess, den die HafenCity Hamburg GmbH gemeinsam mit der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen und der Behörde für Umwelt und Energie für den neuen Stadtteil Grasbrook am Südufer der Norderelbe ausgelobt hat, wird
im April 2020 abgeschlossen. Der prämierte Entwurf des Teams Herzog & de Meuron und Vogt Landschaftsarchitekten wird nun das städtebauliche und freiraumplanerische Gesamtbild des Stadtteils Grasbrook bestimmen.

Entwurf des Kleinen Grasbrooks mit Baufläche für das Deutsche Hafenmuseum und Liegeplatz für die PEKING, Herzog & de Meuron und Vogt, 2020

November 2019

In seiner Sitzung vom 14. November 2019 beschließt der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für das Deutsche Hafenmuseum in Höhe von 58 Millionen Euro im Haushalt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Insgesamt stellt der Bund damit bis zu 178 Millionen Euro für das Deutsche Hafenmuseum und die Restaurierung der Viermastbark PEKING zur Verfügung. Mit den zusätzlichen Mitteln können sowohl der geplante Museumsneubau im Stadtteil Grasbrook als auch die Aufwertung und die adäquate Ausstattung des zweiten Museumsstandortes in den historischen 50er Schuppen am
Hansa-Hafen realisiert werden.

2019

Im Mai 2019 gibt die Stadt Hamburg, nach intensiver Prüfung und umfassender Evaluation verschiedener Standortoptionen, bekannt, dass für das Deutsche Hafenmuseum ein Zwei-Standorte-Konzept verfolgt werden soll. Neben einem zukünftigen Neubau für den Hauptstandort auf dem Gebiet des neu zu entwickelnden Stadtteils Grasbrook wird auch die museale Ertüchtigung und eine bauliche Anpassung der historischen 50er Schuppen als zweitem Teilstandort im genehmigten Bestand als Ziel formuliert. Im September 2019 gibt die
Stadt zudem bekannt, dass die städtische Sprinkenhof GmbH mit der Bauausführung des neuen Museums an der Norderelbe beauftragt wird.

Hafenmuseum Hamburg, Foto: SHMH/Sinje Hasheider

2015

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages bewilligt in seiner Sitzung vom 12. November 2015 Mittel in Höhe von 120 Millionen Euro für die Errichtung eines Deutschen Hafenmuseums in Hamburg. In dieser Summe enthalten sind bis zu 35 Millionen Euro für die Überführung und Sanierung der Viermast-Stahlbark „Peking” aus dem „South Street Seaport Museum” in New York. Bei der Bewilligung der 120 Millionen Euro für dieses Projekt handelt sich um eine hundertprozentige Finanzierung durch den Bundeshaushalt. Die zukünftigen Betriebskosten des neuen Hafenmuseums werden nach Fertigstellung von der Freien und Hansestadt Hamburg getragen. Die Federführung für die Errichtung des Deutschen Hafenmuseums liegt bei der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Für die inhaltliche Expertise zeichnet die Stiftung Historische Museen Hamburg verantwortlich.