Zum Inhalt springen

Portal vom Spinnhaus an der Alster Spolien im Museum für Hamburgische Geschichte

Ein historischer europäischer Innenhof mit Menschen, die spazieren gehen und miteinander kommunizieren, umgeben von Gebäuden mit roten Dächern, gewölbten Fenstern und einem großen, verzierten Eingang; auch Bäume und Pferde sind zu sehen.
Spinnhaus mit Werk- u. Armen-Haus, Aquarell 1835

Das Portal vom alten Hamburger Spinnhaus ist heute an der Westfassade des Museums eingebaut. Bis zu seiner Zerstörung im Großen Brand von 1842 befand sich das Spinnhaus auf Höhe der heutigen Straßenecke Alstertor/Ferdinandstraße, also etwas links vom jetzigen Thalia-Theater.

Zusammen mit dem benachbarten Werk- und Zuchthaus gehörte das 1666 bis 1674 errichtete Spinnhaus zu den vormodernen Gefängnisbauten der Stadt Hamburg. Der Name weist darauf hin, dass die Insassen vor allem Wolle spinnen mussten. Inhaftiert waren vorrangig Prostituierte, die auf diese Weise resozialisiert werden sollten. Gebaut wurden das Spinnhaus und die zugehörige Kirche mit dem Geld, das der Ratsherr Peter Rentzel 1662 in seinem Testament hinterlassen hatte.

 

An ihn erinnert die lateinische Inschrift über dem Bogen:

„Ex ultima voluntate et dispositione Dni. Petri Renzelii piae memoriae (Nach der letztwilligen Verfügung des Herren Peter Rentzel seligen Angedenkens) … in honorem Dei et flagitiosorum emendationem hoc ergastulum sumptibus ipsius exstructum est (… ist zur Ehre Gottes und zur Besserung der Übeltäter dieses Arbeitshaus auf seine Kosten erbaut worden).“

Stetiges Beten und Arbeiten sollten nach den Vorstellungen des Stifters zur Läuterung der Häftlinge beitragen. So setzte sich Rentzel, der zu Lebzeiten bereits großzügig Gelder für die Erneuerung Hamburger Kirchtürme gespendet hatte, postum ein weiteres Denkmal gottgefälligen Lebens.

Verschnörkelte grüne Doppeltüren mit Bogenfenstern in einem Backsteingebäude, eingerahmt von dekorativen Steinsäulen, komplizierten Schnitzereien von Figuren und einem detaillierten Wappen mit zwei Löwen über dem Eingang.
Foto vom Portal Spinnhaus, Westseite des Museums
Detaillierte Zeichnung eines historischen Gebäudes mit einem roten Ziegeldach, einem verzierten Eingang und mehreren Fenstern. Eine Pferdekutsche und mehrere Personen stehen vor dem Gebäude.
Ausschnitt aus Spinnhaus mit Werk- u. Armen-Haus, Aquarell 1835: Portal

Was sind Spolien?

Die im und am Gebäude des Museums für Hamburgische Geschichte eingefügten historischen Bauteile, sogenannte Spolien, verkörpern Hamburger Architektur- und Baugeschichte. Doch zu welchen Gebäuden gehörten die Portale und Figuren, welche Bedeutung hatten sie und was erzählen sie uns?

Eine Reise durch Raum und Zeit

Wie lassen sich das Museum und der städtische Raum verbinden? Wie können historische Baufragmente Stadtgeschichte erzählen? Die am Museumsgebäude verbauten Spolien (historische Bauteile von abgerissenen oder abgebrannten Gebäuden) sind wie Puzzleteile einer Stadtgeschichte. Sie zeugen von einer verschwundenen Architektur und erzählen Geschichten über die Stadt Hamburg und ihre Menschen. Es entsteht eine vierte Dimension von Stadtgeschichte, die das Verlorene, die „verschwundene Stadt“, mittels der am und im Museum befindlichen Spolien wieder erkennbar und erlebbar macht.