
Das Portal vom alten Hamburger Spinnhaus ist heute an der Westfassade des Museums eingebaut. Bis zu seiner Zerstörung im Großen Brand von 1842 befand sich das Spinnhaus auf Höhe der heutigen Straßenecke Alstertor/Ferdinandstraße, also etwas links vom jetzigen Thalia-Theater.
Zusammen mit dem benachbarten Werk- und Zuchthaus gehörte das 1666 bis 1674 errichtete Spinnhaus zu den vormodernen Gefängnisbauten der Stadt Hamburg. Der Name weist darauf hin, dass die Insassen vor allem Wolle spinnen mussten. Inhaftiert waren vorrangig Prostituierte, die auf diese Weise resozialisiert werden sollten. Gebaut wurden das Spinnhaus und die zugehörige Kirche mit dem Geld, das der Ratsherr Peter Rentzel 1662 in seinem Testament hinterlassen hatte.
An ihn erinnert die lateinische Inschrift über dem Bogen:
„Ex ultima voluntate et dispositione Dni. Petri Renzelii piae memoriae (Nach der letztwilligen Verfügung des Herren Peter Rentzel seligen Angedenkens) … in honorem Dei et flagitiosorum emendationem hoc ergastulum sumptibus ipsius exstructum est (… ist zur Ehre Gottes und zur Besserung der Übeltäter dieses Arbeitshaus auf seine Kosten erbaut worden).“
Stetiges Beten und Arbeiten sollten nach den Vorstellungen des Stifters zur Läuterung der Häftlinge beitragen. So setzte sich Rentzel, der zu Lebzeiten bereits großzügig Gelder für die Erneuerung Hamburger Kirchtürme gespendet hatte, postum ein weiteres Denkmal gottgefälligen Lebens.


Was sind Spolien?
Die im und am Gebäude des Museums für Hamburgische Geschichte eingefügten historischen Bauteile, sogenannte Spolien, verkörpern Hamburger Architektur- und Baugeschichte. Doch zu welchen Gebäuden gehörten die Portale und Figuren, welche Bedeutung hatten sie und was erzählen sie uns?
Eine Reise durch Raum und Zeit
Wie lassen sich das Museum und der städtische Raum verbinden? Wie können historische Baufragmente Stadtgeschichte erzählen? Die am Museumsgebäude verbauten Spolien (historische Bauteile von abgerissenen oder abgebrannten Gebäuden) sind wie Puzzleteile einer Stadtgeschichte. Sie zeugen von einer verschwundenen Architektur und erzählen Geschichten über die Stadt Hamburg und ihre Menschen. Es entsteht eine vierte Dimension von Stadtgeschichte, die das Verlorene, die „verschwundene Stadt“, mittels der am und im Museum befindlichen Spolien wieder erkennbar und erlebbar macht.