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Audiostation - Wie kommt eine Skulptur vom Friedhof ins Museum und wieder zurück? Wegmarken Jüdischer Geschichte

Wie kommt eine Skulptur vom Friedhof ins Museum und wieder zurück?

Audiokommentar zum Objekt „Löwenskulptur vom Brunnen des jüdischen Friedhofs in Altona“, SHMH-Altonaer Museum, Inv.-Nr. AB07821,1
Auf Deutsch erzählt von:
Adriana Altaras und Daniel Séjourné

 

M: Der Löwe hält ein Schild mit hebräischer Schrift in den Tatzen. Was

steht denn da drauf?

F: “Dies ist die Schenkung der heiligen Brüderschaft der Bestatter für

Wohltätigkeit, verschwinden lasse den Tod für immer.”

M: Also hat der Löwe etwas mit Tod zu tun… eine Friedhofsskulptur?

F: Richtig, die Löwenfigur gehört zu dem Brunnen auf dem jüdischen

Friedhof in der Königstraße. Weißt du, es gibt diese rituelle Vorschrift,

dass sich die Gläubigen nach dem Friedhofsbesuch die Hände waschen.

Deshalb steht am Ein- und Ausgang ein Brunnen.

M: Ok, aber warum ist der Löwe jetzt hier in der Ausstellung?

F: Er wurde 1943 von einer Mitarbeiterin des Altonaer Museums

angeblich in der Nähe des Friedhofs auf der Straße gefunden. Sie hat

den Löwen hierhergebracht, um ihn vor weiteren Zerstörungen zu

bewahren.

M: Ist das denn unglaubwürdig? Es gab doch um diese Zeit die großen

Luftangriffe auf Hamburg…

F: …du meinst die Operation Gomorrha im Juli ’43. Ja, es kann sein,

dass die Figur bei einem Bombenangriff vom Brunnen gesprengt wurde.

Der Friedhof wurde in jedem Fall getroffen, wenn auch nicht so schwer,

wie die Häuser in der Nachbarschaft.

M: Oder, falls es nicht der Bombenangriff war, könnte es in der NS-Zeit

auch eine absichtliche Zerstörung gewesen sein…

F: Vielleicht, ja. Wie Synagogen oder jüdische Geschäfte sind auch

jüdische Friedhöfe in vielen Orten geschändet und zerstört worden.

M: Okay, aber wenn die Museumsmitarbeiterin damals wusste, dass die

Löwenskulptur auf den Friedhof gehört, warum hat sie sie dann

mitgenommen? Eigentlich hatte sie doch nicht das Recht dazu?

F: Naja, sie wollte vermutlich ein Kunstwerk vor der weiteren Zerstörung

bewahren. Aber soweit wir wissen, hat sie sich nach 1945 nicht um eine

schnelle Rückgabe an die Jüdische Gemeinde bemüht. Es gab nämlich

Aufzeichnungen über den angeblichen Fund auf der Straße und für das

Museum war zu jeder Zeit klar, dass der Löwe zum Friedhof gehörte.

M: Und weshalb ist der Löwe heute noch hier, wenn er der Jüdischen

Gemeinde gehört?

F: Was du hier siehst, ist ein Abguss. Das Original ist wieder auf dem

jüdischen Friedhof, es steht im Besucherzentrum. Ein zweiter Abguss

befindet sich am ursprünglichen Platz, auf dem Brunnen am

Friedhofseingang.

M: Na, dann ist dies doch eine Geschichte mit Happy End, oder nicht?

F: Naja, das Museum hat ganze 70 Jahre dafür gebraucht, sich zur

Rückgabe des Löwen an die Jüdische Gemeinde zu entschließen. Die

Stiftung Denkmalpflege hat die Abgüsse finanziert und 2013 ist das

Original und ein Abguss auf den jüdischen Friedhof zurückgekehrt.

M: Also doch auch eine Geschichte des Unrechts.

F: Ja. Deshalb soll der Abguss hier im Museum an die Verantwortung

erinnern, die Museen im Umgang mit geraubtem Gut haben.