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Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge Wegmarken Jüdischer Geschichte

Große, fettgedruckte, rote Zahlen 2020, zentriert auf einem schlichten weißen Hintergrund.

In den Novemberpogromen 1938 wurde die Synagoge am Bornplatz beschädigt, jedoch nicht zerstört. Die Stadt erzwang 1939 den Abriss, den die Gemeinde selbst zahlen musste. 1942 wurde ein noch heute bestehender Hochbunker errichtet. Der Rest des Geländes blieb unbebaut und diente als Parkplatz. 1988 wurde der Platz als Mahnmal gestaltet. Als Reaktion auf den antisemitischen Anschlag in Halle im Oktober 2019 begannen in Hamburg Aushandlungen über einen Wiederaufbau der Synagoge am historischen Standort. Für das Vorhaben bemühte sich die Jüdische Gemeinde Hamburg aktiv um Unterstützung aus der Zivilgesellschaft. Anfang 2020 beschloss die Bürgerschaft den Wiederaufbau. Jüdische und nichtjüdische Akteur*innen debattierten die Rekonstruktion des zerstörten Originals und den Rückbau des Mahnmals. Dabei wurden auch unterschiedliche Perspektiven auf Erinnerungskultur und jüdische Selbstverständnisse deutlich.

1906/5666 Neubau am Bornplatz

Für einen dringend benötigten Synagogenbau in den neuen Wohngebieten erwarb die Gemeinde von der Stadt ein Grundstück mitten im Grindelviertel. 1906 wurde die neue Hauptsynagoge des Orthodoxen Synagogenverbands am Bornplatz eingeweiht. Sie war die erste freistehende Synagoge Hamburgs und mit ca. 1200 Plätzen die größte in Norddeutschland. In Nebengebäuden befanden sich eine Wochentagssynagoge und das rituelle Tauchbad, die Mikwe.

1988/5749 Gedenkort

Ende der 1970er Jahre begann ein zäher Planungsprozess zum Umgang mit dem Platz der ehemaligen Synagoge. Beteiligt waren diverse Hamburger Behörden und – bis zu einem gewissen Grad – die jüdische Gemeinde und Mitglieder des Vereins Ehemaliger Hamburger in Israel. Am 9. November 1988, dem 50. Jahrestag der Novemberpogrome, fand die Einweihung des „Synagogenmonuments“ der Künstlerin Margrit Kahl statt. 1989 wurde der Platz nach Joseph Carlebach benannt.

Die Ruine in der Poolstrasse

Gottesdienste des Tempelverbands fanden seit 1931 im neuen Tempel in der Oberstraße statt. Das Grundstück in der Poolstraße wurde 1944 durch Bomben fast vollständig zerstört. Nach 1945 diente das Gelände mit der Ruine des Tempels als Gewerbehof. Parallel zu den Entwicklungen um die Bornplatzsynagoge kaufte die Stadt 2020 das Grundstück an. Die liberale jüdische Gemeinde fordert dessen Rückgabe. Die zukünftige Nutzung ist noch ungeklärt.

Historisches Schwarz-Weiß-Foto der Bornplatz-Synagoge in Hamburg, Deutschland, mit Kuppeldach, großer Fensterrose und bogenförmigem Eingang. Der deutsche Text vermerkt die Einweihung am 13. September 1906. Der Vordergrund ist von Bäumen gesäumt.
Die Synagoge am Bornplatz, Postkarte, um 1906, Reproduktion, Foto SHMH, Museum für Hamburgische Geschichte

Bildunterschriften

Die Synagoge am Bornplatz

Postkarte, um 1906, Reproduktion, SHMH-Museum für Hamburgische Geschichte, Inv.-Nr. 2008-1022

Der Entwurf stammte von den Hamburger Architekten Ernst Friedheim und Semmy Engel. Der neo-romanische Baustil, typisch für Synagogenbauten um 1900, galt als „national“ und „deutsch“ und war ein Gegenentwurf zu „orientalischen“ Synagogen. Die mit braunen Ziegeln gedeckte Kuppel war 39 Meter hoch.

Die Rückgabe

Armin Levy, Fotografie, 2023

Nach dem Abriss der Synagoge enteignete die Stadt das Grundstück. Es wurde nach 1945 Teil des Universitätsgeländes. Die Bürgerschaft beschloss 2023 die Rückgabe des Grundstücks an die Jüdische Gemeinde Hamburg. Symbolisch zerschnitten Fraktionsvorsitzende der SPD, Grünen, CDU und Linke das „Arisierungs-Dokument“.

7. Oktober

Fotografie, 2024, picture alliance / ABBfoto, Mediennummer 487117121

Nur wenige Tage nach dem symbolischen Akt zur Rückerstattung des Grundstücks fand am 7. Oktober 2023 der Terrorangriff der Hamas auf Israel statt. Mit Plakatwänden auf dem Joseph-Carlebach-Platz machte die Jüdische Gemeinde Hamburg seitdem auf das Schicksal der Geiseln aufmerksam.

Das „Synagogenmonument“ von Margrit Kahl

Margrit Kahl, Fotografie, 1988, Internationale Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem, Signatur 2957/6

Das Bodenmosaik zeichnet aus schwarzen und grauen Granitsteinen den Grundriss und das Deckengewölbe der zerstörten Synagoge nach. Als „Gegendenkmal“ will es auf die Leerstelle im Stadtbild aufmerksam machen. Ob und in welcher Form das Monument Teil der neuen Synagoge wird, steht noch nicht fest.

Veranstaltung mit Stella´s Morgenstern beim Salon Atelier vom tempelverein e.V.

Kolja Harms, Fotografie, 2022

Gedenktafeln weisen den Ort als ehemaligen Standort einer Synagoge aus. Der Hof ist allerdings nicht öffentlich zugänglich. Die Reste des Tempels befinden sich in schlechtem Zustand. Seit Jahren wird im Rahmen von Veranstaltungen auf den vernachlässigten Zustand des Geländes aufmerksam gemacht.

Visualisierung des Siegesentwurfs, 2025

Schulz und Schulz Architekten (Leipzig) mit Haberland Architekten und Pola Landschaftsarchitekten (Berlin)

Vorgabe des ausgelobten Architekturwettbewerbs war die „kritische Rekonstruktion“ der Synagoge. Der Siegesentwurf wurde 2025 veröffentlicht. In Nebengebäuden sollen die Reformsynagoge und ein öffentliches Café Platz finden. Die Sicherheit wird bewusst nicht durch Umzäunung gewährleistet.