Zwischen 1991 und 2004 wanderten sowjetische Jüdinnen und Juden nach Deutschland ein. Durch ein spezielles Aufnahmeprogramm wollte man symbolpolitisch Verantwortung übernehmen und jüdisches Leben stärken. In Hamburg gab es 1989 etwa 1.300 Gemeindemitglieder, ein Großteil davon älter als 50 Jahre. 2004 waren es dann über 5.000 Mitglieder. Die Zuwanderung bedeutete, dass die jüdischen Gemeinden in Deutschland wuchsen und pluraler wurden. Gleichzeitig führten Fragen zur Definition jüdischer Identitäten zu internen Spannungen. In der Sowjetunion wurde die „jüdische Nationalität“ etwa vom Vater vererbt. Nach dem Religionsgesetz in den orthodoxen Gemeinden ist aber der Status der Mutter ausschlaggebend. Die Mehrheit der Zuwander*innen war zudem nicht religiös. Viele schlossen sich keiner Gemeinde an oder verließen sie wieder.
Bereits 1977 wurde der Sportverein TuS Makkabi Hamburg e. V. von Mitgliedern der Gemeinde gegründet. Er hat heute gut 200 jüdische und nichtjüdische Mitglieder. Das Joseph-Carlebach-Bildungshaus zog 2007 in die ehemalige Talmud-Tora-Schule ein. 2020 wurde dort das erste Abitur seit 1938 abgenommen. Die religiöse Vereinigung Chabad Lubawitsch betreibt an der Rothenbaumchaussee ein Rabbinerseminar und seit 2023 einen koscheren Supermarkt.
Die neue Zusammensetzung erweiterte die jüdische Gemeinschaft inner- und außerhalb der Jüdischen Gemeinde Hamburgs. 2004 gründete sich die Liberale Jüdische Gemeinde – mittlerweile Israelitischer Tempelverband zu Hamburg von 1817 – mit heute ca. 300 Mitgliedern. Unter dem Dach der Einheitsgemeinde wurde 2016 eine Reformsynagoge gegründet. Daneben leben hier auch Jüdinnen und Juden, die keiner Gemeinde angehören und ihr Judentum nicht (nur) religiös definieren.
Heute gibt es eine Vielzahl jüdischer Kulturangebote in Hamburg. Diese richten sich sowohl an jüdische als auch nichtjüdische Besucher*innen. Dazu gehören beispielsweise das Mit2Wo Kulturnetzwerk e.V., der Jüdische Salon am Grindel e.V. und die Jüdische Union e.V. Die Jüdische Gemeinde Hamburg richtet seit 2023 zweijährlich die Jüdischen Kulturtage und in Zusammenarbeit mit dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden jährlich die Jüdischen Filmtage aus.