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1959 - “Von der Menschlichkeit…” Wegmarken Jüdischer Geschichte

Große, fettgedruckte rote Zahlen 1959, zentriert auf einem einfachen weißen Hintergrund.

Die Politologin und Publizistin Hannah Arendt (1906–1975) emigrierte 1933 nach Frankreich und floh von dort 1941 in die USA. Die deutsche Staatsbürgerschaft wurde ihr 1937 aberkannt. Bis sie 1951 US-Bürgerin wurde, war sie „staatenlos“. Ab 1949 reiste Arendt regelmäßig beruflich nach Deutschland. 1950 veröffentlichte sie den Essay „Besuch in Deutschland. Die Nachwirkungen des Naziregimes“ und beschrieb Teilnahme- und Sprachlosigkeit der deutschen Bevölkerung. Am 28. September 1959 verlieh der Senat Hannah Arendt den Lessing-Preis der Stadt Hamburg. Als erste Frau erhielt sie damit eine der wichtigsten Kulturauszeichnungen der Bundesrepublik. In ihrer Festrede mit dem Titel „Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten“ kritisierte sie das Schweigen der deutschen Nachkriegsgesellschaft und deren „Neigung so zu tun, als habe es die Jahre von 1933 bis 1945 gar nicht gegeben“.

1950/5710. Hannah Arendt in Hamburg

Die 1947 gegründete Jewish Cultural Reconstruction-Gesellschaft widmete sich der Suche und Rückführung jüdischer Kulturgüter aus Europa. In ihrem Auftrag reiste Hannah Arendt 1949/1950 durch Deutschland. Sie sollte sich einen Überblick überrestituierbare Kulturgüter verschaffen. Gerade in Hamburg befanden sich viele nach 1933 beschlagnahmte Sammlungen, die aber meist nicht mehr vollständig erhalten waren.

 

Das Besuchsprogramm des Senats

Aus Hamburg hat es nie eine offizielle Einladung an emigrierte Jüdinnen und Juden gegeben, in ihre ehemalige Heimat zurückzukehren. Erste Kontaktaufnahmen mit Emigrant*innen gab es erst seit Mitte der 1960er Jahre unter Bürgermeister Herbert Weichmann, der als Jude selbst verfolgt worden war und fliehen musste. Seit den 1980er Jahren richtet der Senat ein Besuchsprogramm für jüdische ehemalige Bürgerinnen und Bürger und deren Nachkommen aus.

 

Ringen um Erinnerung

Die jüdische Gemeinschaft in Hamburg und im Ausland lebende Jüdinnen und Juden setzen sich für das Erinnern an die Shoah in Hamburg ein. So errichtete die Gemeinde 1951 ein Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf und erwirkte 1957 eine erste Gedenktafel für die Bornplatzsynagoge. Der Verein ehemaliger Hamburger in Israel war maßgeblich am Entstehen der 1991 eröffneten Ausstellung „400 Jahre Juden in Hamburg“ beteiligt.