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1945 - Wiedergründung Wegmarken Jüdischer Geschichte

Große, fettgedruckte rote Zahlen 1945, zentriert auf einem schlichten weißen Hintergrund.

Bei Kriegsende 1945 lebten in Hamburg noch etwa 700 Jüdinnen und Juden. Zwölf von ihnen planten ab Juli 1945 die Wiedergründung der Gemeinde. Am 18. September 1945 fand die Gründungsversammlung der Jüdischen Gemeinde Hamburg als gemäßigt orthodoxe sogenannte Einheitsgemeinde statt. Sie trat 1948 offiziell die rechtliche Nachfolge der aufgelösten Deutsch-Israelitischen Gemeinde an. Sie setzte sich aus Hamburger Jüdinnen und Juden zusammen, die dank ihrer nichtjüdischen Partner*innen, in Verstecken oder Konzentrationslagern überlebt hatten. Dazu kamen sogenannte Displaced Persons, meist aus Osteuropa. Sie waren im Zweiten Weltkrieg verschleppt oder vertrieben worden und blieben vorübergehend oder dauerhaft in Hamburg. Die Mitgliederzahl wuchs durch Zuzug aus der Sowjetunion, dem Balkan, Iran und Israel auf etwa 1.300 an und blieb bis Ende der 1980er Jahre stabil.

Eine große Menschenmenge versammelt sich vor einem modernen, rechteckigen Gebäude mit hebräischer Schrift über dem Eingang. Die Menschen sind förmlich gekleidet, und mehrere Autos sind davor geparkt. Im Hintergrund sind Bäume und ein bewölkter Himmel zu sehen.
Einweihung der Synagoge Hohe Weide, Foto Erich Andres, Staatsarchiv Hamburg 1960

Rothenbaumchaussee 38

Der Verwaltungssitz der Deutsch-Israelitischen Gemeinde befand sich seit 1916 an der Rothenbaumchaussee 38. 1938 beschlagnahmte die Gestapo das Gebäude und nutzte es als zentrale Organisationsstelle der Shoah in Hamburg. Jüdische Überlebende besetzten das leerstehende Haus gleich nach Kriegsende. Im September 1945 fand hier die Gründungsversammlung der Jüdischen Gemeinde Hamburg statt. Erst 1960 wurde das Gebäude offiziell restituiert.

Gemeindeaufgaben

Die Jüdische Gemeinde Hamburg übernahm wieder klassische Gemeindeaufgaben, darunter Kultus, Bildung, Bestattungs- und Fürsorgewesen. Ein Fokus lag auf der Jugendarbeit. Seit den 1960er Jahren entstanden eigene Einrichtungen wie ein Sportverein und ein Kindergarten, der allerdings Ende der 1970er Jahre wieder schließen musste. Dazu kamen Neubauten, darunter das Neue Israelitische Krankenhaus in Alsterdorf, das einem unabhängigen Kuratorium untersteht.

Die iranisch-jüdische Gemeinschaft

Wegen des Freihandels in Hamburg ließen sich einige jüdische Iraner*innen seit den 1950er Jahren hier nieder. Die Gruppe wuchs durch Familiengründungen und war sowohl in der jüdischen Gemeinde als auch der muslimischiranischen Gemeinschaft verankert. Dazu kamen Iraner*innen, die nach der Revolution 1979 aus politischen, sozialen oder religiösen Gründen flohen. Spätere Generationen zogen großenteils weiter, etwa in die USA.