Ab 1933 wurden als „jüdisch“ verfolgte Menschen aus der Gesellschaft gedrängt. Neben Ausgrenzung bedeutete dies zunehmende Entrechtung, Beraubung und physische Gewalterfahrung. Die betroffenen Personen reagierten unterschiedlich: emigrieren, abwarten und vor Ort engagieren. Die Handlungsspielräume und -strategien hingen von Geschlecht, Alter, finanzieller und familiärer Situation ab. In Hamburg, Altona und Wandsbek lebten 1933 ca. 19.000 Jüdinnen und Juden. Die Deutsch-Israelitische Gemeinde und Wohlfahrtseinrichtungen kümmerten sich um die wachsende Zahl erwerbsloser und verarmter Menschen unter ihnen. Beratungsstellen vermittelten Arbeitsplätze und Darlehen. Umschulungen, etwa in Lehrwerkstätten, sollten bestmögliche Aussichten für die Emigration schaffen. Jüdische Vereine, Bibliotheken und Veranstaltungen sollten die Teilhabe am kulturellen Leben ermöglichen.
Jüdische Künstler*innen wurden 1933 aus dem Kulturbetrieb ausgeschlossen. Im selben Jahr gründete sich ein Vorläufer des Jüdischen Kulturbunds Hamburg. Dessen vorrangiges Ziel war es, den erwerbslosen Künstler*innen Arbeit zu verschaffen. So entstanden eigene Theater- und Musikensembles, die ausschließlich vor jüdischem Publikum auftreten durften. Das Programm wurde von den NS-Behörden eng überwacht. 1941 wurde der Bund aufgelöst.
Zwischen 1933 und 1941 emigrierte gut die Hälfte der Hamburger Jüdinnen und Juden: bis zu 12.000 Personen. Die Pogrome im November 1938 lösten eine große Auswanderungswelle aus. Eltern und Gemeinden organisierten sogenannte Kindertransporte ins vermeintlich sichere Ausland. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs erschwerte die Flucht seit 1939. Im Oktober 1941 wurde die Ausreise verboten. Im selben Monat begannen die Deportationen.
Die Deutsch-Israelitische Gemeinde Hamburg bestand bis 1937. Dann wurden die Gemeinden in Hamburg, Wandsbek, Harburg-Wilhelmsburg und Altona zwangsweise zusammengelegt. Als nun Jüdischer Religionsverband Hamburg wurde die Gemeinde steuerpflichtig. Gleichzeitig sanken die Einnahmen durch Emigration und Verarmung der Mitglieder. Sie übernahm 1939 zudem die öffentliche Fürsorge, nachdem Jüdinnen und Juden von staatlichen Leistungen ausgeschlossen worden waren.
