Ende des 19. Jahrhunderts zogen viele Jüdinnen und Juden aus der Neustadt in neue Wohngebiete vor dem Dammtor. Hier entwickelte sich eine große Anzahl jüdischer Kultur-, Sozial und Alltagseinrichtungen. Um 1900 entstanden mehrere repräsentative Neubauten. Sie waren Ausdruck rechtlicher Emanzipation und zunehmender Pluralisierung der jüdischen Gemeinschaft. 1805 wurde die Talmud-Tora-Schule als Armenschule der Gemeinde gegründet. Sie war in einem Gebäude an der Elbstraße, später an den Kohlhöfen untergebracht. Zunächst bestand der Lehrplan aus traditionellen religiösen Inhalten. Unter Isaak Bernays wurden auch weltliche Fächer eingeführt. Der 1911 eröffnete Neubau am Grindelhof zeigt diesen Wandel: Sie war nun eine moderne Realschule, deren Unterrichtsfächer und -methoden in den Folgejahren immer wieder reformiert wurden. Der soziale Leitgedanke der Schule blieb bis zur Schließung 1942 bestehen.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts lag das jüdische Zentrum in der Neustadt. Seit 1768 beschränkten Vorgaben der Stadt die Niederlassung auf wenige Straßen. Nach bürgerlicher Gleichstellung und Aufhebung der Torsperre 1861 zogen viele Jüdinnen und Juden in neu entstehende Wohngebiete vor dem Dammtor: Harvestehude, Rotherbaum, Eppendorf und Grindel. Dort betrug der Anteil jüdischer Bewohner*innen zeitweilig ca. 15%. Sie stellten aber nie die Mehrheit.
