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1901 - Die Auswandererhallen Wegmarken Jüdischer Geschichte

Große, fette rote Zahlen 1901 zentriert auf einem schlichten weißen Hintergrund.

Die massenhafte Emigration aus Osteuropa machte neue Organisationsstrukturen notwendig. Seit den 1890er Jahren richteten die HAPAG (Hamburg- Amerikanische Packetfahrt-Actien- Gesellschaft) und andere Reedereien Stationen an der deutschen Grenze ein. Von dort wurde die Weiterreise zu den Häfen organisiert. Der große Andrang führte zu Chaos und Unmut in der Stadt. Emigrant*innen wurden für Krankheiten verantwortlich gemacht, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit griffen um sich. Um dem entgegenzuwirken – und das Geschäft nicht zu gefährden – ließ die HAPAG 1892 große Auswandererbaracken erbauen. So sollte der Ausbreitung von Krankheiten und illegaler Immigration entgegengewirkt werden. Ab 1901 boten die neuen „Auswandererhallen“ auf der Veddel den Reisenden mehr Komfort und bessere Versorgung. Sie steht für die Gleichzeitigkeit von Hilfe und wirtschaftlichen Überlegungen: Migration wurde zum Geschäftsmodell.

Organisation von Hilfe

Die Durchreise hunderttausender osteuropäischer Jüdinnen und Juden wurde bald durch ein Netzwerk von Hilfsinitiativen organisiert, etwa das Hilfskomitee für die russischen Juden und der Israelitische Unterstützungsverein für Obdachlose. Ausreisende und Rückkehrer*innen wurden mit Kleidung und koscherer Nahrung versorgt. Ziel war auch, dass die verarmten Menschen der Stadt nicht zur Last fallen und unauffällig weiterreisen sollten.

Auswanderung aus Osteuropa

Für osteuropäische Jüdinnen und Juden war der Hamburger Hafen zwischen 1880 und 1914 meist eine Durchgangsstation. Sie flohen vor der Armut, aber auch antijüdischer Gesetzgebung und Pogromen, und hofften auf Arbeitsplätze in Nordamerika. Einheimische und sogenannte Ostjuden unterschieden sich stark in kulturellen Praktiken und sozialem Status. Sie standen sich reserviert gegenüber. Nur wenige änderten ihre Pläne und blieben dauerhaft in Hamburg.

Antisemitismus und 1. Weltkrieg

Vor dem Krieg hatte die Durchreise jüdischer Migrant*innen aus Osteuropa zu einem Anstieg antisemitischer Anfeindungen geführt. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 verlorHamburg als Auswanderungshafen zunächst an Bedeutung. Kriegsniederlage, Revolutionsängste und wirtschaftlicher Zusammenbruch radikalisierten den Antisemitismus nach 1918. Vorwürfe mangelnder Kriegsbeteiligung und wirtschaftlicher Bereicherung trafen die gesamte jüdische Gemeinschaft.

Eine Gruppe von Männern und Frauen in förmlicher viktorianischer Kleidung steht und geht auf einer Wiese im Freien, mit Bäumen und einem großen Kuppelgebäude im Hintergrund. Einige Menschen lächeln, während andere ernst aussehen.
Albert Ballin (mittig) auf dem Rennplatz in Groß-Borstel, Fotografie, 1905, SHMH, Museum für Hamburgische Geschichte