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1867 - Das “Hamburger System” Wegmarken Jüdischer Geschichte

Große, fette rote Zahlen 1867 auf weißem Hintergrund.

1864 schaffte der Senat die Verpflichtung ab, einer Religionsgemeinde anzugehören und er forderte eine Neufassung der Deutsch Israelitischen Gemeindeordnung. Zwischen reformorientierten und orthodoxen Mitgliedern entstanden schwere Meinungsverschiedenheiten. Die Gemeinde drohte auseinanderzubrechen. Das „Hamburger System“ von 1867 war ein Kompromiss. Erstmals gab es innerhalb der deutsch-jüdischen Gemeinden eine Verfassung, die Toleranz gegenüber unterschiedlichen religiösen Richtungen festschrieb. Die Gemeinde wirkte als organisatorisches Dach und übernahm zentrale Aufgaben wie Schulwesen, Wohlfahrt, Begräbnisse und Finanzen. Und sie repräsentierte Jüdinnen und Juden in der Stadtgesellschaft. Daneben wurden zwei, später drei Kultusverbände eingerichtet. Sie waren in religiösen Fragen autonom und nutzten eigene Synagogen. Die Mehrheit der Gemeindemitglieder war keinem der Verbände zugeordnet.

Vereinswesen

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die Freizeit gesellschaftlich an Bedeutung gewonnen. Sie wurde abseits von Religion und Familie gestaltet und konnte ein alternativer Ausdruck von Identität sein. Die Abschaffung des Gemeindezwangs 1864 verstärkte diese Entwicklung. Es entstand ein blühendes Vereinsleben – zum Teil mit ausdrücklich jüdischer Identität. Um 1913 gab es über 130 jüdische Vereine mit politischer, sportlicher oder kultureller Ausrichtung.

Kultusverbände

Der liberale Israelitische Tempelverein bestand innerhalb der Deutsch-Israelitischen Gemeinde bereits seit 1817. Orthodoxe Gemeindemitglieder gründeten 1868 einen eigenen Zusammenschluss, den Deutsch-Israelitischen Synagogenverband. Der Verein Neue Dammtor Synagoge gründete sich 1894. Er folgte einem konservativen Ritus und stand zwischen Orthodoxie und Reform. 1923 wurde er als dritter Kultusverband aufgenommen.

Zionismus in Hamburg und Altona

Der Zionismus fand in Hamburg und Altona einige engagierte Anhänger. 1898 gründete sich eine gemeinsame Ortsgruppe der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. In einem Konzerthaus an der Reeperbahn fand 1909 der 9. Zionistische Kongress statt, der erste und einzige in Deutschland. Die große Mehrheit der Hamburger und Altonaer Jüdinnen und Juden standen zionistischen Ideen aber skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Schwarz-Weiß-Abbildung einer Synagoge mit einer großen zentralen Kuppel, Bogenfenstern, zwei Seitentürmen und einem verzierten Zaun im Vordergrund. Das Wort Synagoge. ist unter dem Bild gedruckt.
Die Kohlhöfen Synagoge, Holzschnitt, um 1860, SHMH, Museum für Hamburgische Geschichte