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1842/49 - Bürgerliche Gleichstellung Wegmarken Jüdischer Geschichte

Schwarz-Weiß-Porträt eines Mannes in der Kleidung des 19. Jahrhunderts mit Fliege und Weste, der nach vorne schaut, mit dem Namen J. Rieseber handschriftlich unter dem Bild.
Gabriel Riesser, Moritz Daniel Oppenheim und Eduard Gustav May, 1848, Kreidelithografie, SHMH, Museum für Hamburgische Geschichte

Nach dem Entzug der Bürgerrechte 1814 kämpften Teile der jüdischen Gesellschaft in einem jahrzehntelangen Prozess weiter um rechtliche Gleichstellung. Man bemühte sich um Modernisierung und versuchte politisch auf die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft einzuwirken. Diese forderte Anpassung und Konversion. Die 1845 gegründete Gesellschaft für sociale und politische Interessen der Juden setzte sich für Gleichstellung ein, ohne Grundsätze des Judentums aufgeben zu wollen. Erste politische und wirtschaftliche Bürgerrechte erhielten Juden in Altona 1842 und in Hamburg 1849. So bekamen sie Zugang zu neuen Berufen. Die Hamburger Verfassung von 1860 gewährte Glaubensfreiheit und die vollständige politische Gleichstellung aller männlichen Juden. In Altona und Wandsbek war dieser Prozess erst 1863 abgeschlossen. Wie alle Frauen erhielten Jüdinnen in Deutschland erst 1918 das aktive und passive Wahlrecht.

1811/5571. Gesetze unter Napoleon

Bis 1811 galten in Hamburg die Bestimmungen des Judenreglements von 1710. Wie alle französischen Staatsbürger erhielten die Hamburger Juden unter napoleonischer Herrschaft zwischen 1811 und 1814 die vollen politischen und bürgerlichen Rechte. Das unterschied sich von der Situation in Altona und Wandsbek. Nach Ende der französischen Besatzung setzte die Hamburger Regierung die Regelungen von 1710 wieder in Kraft.

Stiftungen

In Hamburg entwickelte sich das jüdische Stiftungswesen besonders vielfältig. Neben wohltätigen Stiftungen, die oft überkonfessionell waren, engagierte man sich für Wissenschaft und Kultur. Als Reaktion auf die Verleihung von Bürgerrechten wurde 1849 die Vaterstädtische Stiftung gegründet. Deren jüdische Initiatoren wollten darüber Freiwohnungen für jüdische und christliche Familien schaffen.

Rückschläge

Bei ihren Bemühungen um Emanzipation waren Jüdinnen und Juden immer wieder Angriffen ausgesetzt. Alle Teilerfolge wurden gegen heftigen Widerstand erkämpft. Die Judenfeindschaft beruhte auf alten stereotypen Vorstellungen, wirtschaftlichem Konkurrenzdenken und christlichem Antijudaismus. Seit 1819 kam es in Hamburg immer wieder zu antijüdischen Ausschreitungen. Sie wurden zum Anlass genommen, die Bürgerrechte nach wie vor zu verweigern.